BERICHT MOHRENKOPF SPEZIAL

Eine Norikerherde bietet ein buntes Bild. Diese Farbenvielfalt ist eine absolute Rarität innerhalb zeitgenössischer mitteleuropäischer Pferderassen. Wir verdanken diese Farbenpracht einer konsequenten Linien- und Farbzucht von Generationen.

Fachliche Informationen und historische Hintergründe über die Farbzucht sind züchterisch besonders wertvoll und verdienen eine genauere Betrachtung. Wir von der Europferd möchten diesem Thema einen entsprechenden Raum geben und auf die einzelnen Farbgebungen des Norikers Schritt für Schritt näher eingehen. Als Start dieser Serie widmen wir diese Ausgabe dem Mohrenkopf – als einem der letzten Nachfahren des barocken Neapolitaners.

Ein Dankeschön ab dieser Stelle an Dr. Thomas Druml und MMag. Gertrud Grilz-Seger für den folgenden Beitrag!


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Der Noriker ist eine Pferderasse der Superlative. Er ist nicht nur die älteste Pferderasse Österreichs und inzwischen die größte geschlossene Kaltblutpopulation Europas, sondern auch die vielfältigste und farbenprächtigste Kaltblutrasse der Welt. Inzwischen begeistert der Noriker Pferdeliebhaber aus der ganzen Welt: von Südafrika, den Niederlanden, Großbritannien über Bulgarien bis nach Indien. Dabei sind die Motive durchwegs unterschiedlich und die Wünsche reichen vom imposanten Fahrpferd, vom Arbeits- und Tragtier, vom Reitpferd und Landschaftspfleger bis hin zum verlässlichen Freizeitpartner. Das alles und noch viel mehr findet der moderne Mensch heute im Noriker.

Diese Vielseitigkeit ist kein Zufall, sondern das züchterische Werk von Generationen. Die Züchter vor uns haben ein vollständiges Erbe übergeben. Die Grundsätze wie dieses Erbe zu erhalten ist, sind allgemein bekannt: Außer der konsequenten Linien- und Farbzucht zählen auch die naturnahe Aufzucht und Selektion auf Leistung und Fitness dazu. Ihre Einhaltung garantiert, dass sich auch kommende Generationen am Noriker in all seiner Vielseitigkeit und Vielfalt erfreuen können!
Die Farbenvielfalt des Norikers ist das Erbe einer glanzvollen Geschichte, in der dem Mohrenkopf ein Ehrenplatz zukommt. Stolz, imposant und elegant – ist der Mohrenkopf weit mehr als nur eine Farbe. Er ist einer der letzten Nachfahren des einst hochgeschätzten Neapolitaners, ein Pferd, das für 300 Jahre lang an keinem der europäischen Fürstenhöfe fehlen durfte.

Die Vergangenheit lebt

Es sind Schätze von großem Wert, die im Dunkel der Vergangenheit darauf warten wieder geborgen zu werden. Oft vergehen zig Generationen und Hunderte von Jahren bis eine Entdeckung hilft offene Fragen zu beantworten. Und manchmal sind Schätze gar nicht versteckt, sondern liegen genau dort, wo sie hingehören. 10 Fußminuten von einer der ältesten und ehemals prachtvollsten Reitakademien - dem heutigen Festspielhaus - entfernt, hütet das Salzburger Landesarchiv die Gestütsbücher einer der exquisitesten Pferdezuchten Mitteleuropas, die in ihrem 250-jährigen Bestehen den Noriker so hervorbrachte, wie wir ihn heute kennen. In prachtvolles Leder gebunden, bergen diese Folianten einige Sensationen: Sie erzählen die Geschichte einer Pferdezucht in Salzburg, die mit der Absicht ein Gestüt zur „Rekreation und Belustigung“ zu gründen im Jahre 1565 begann, und im Barock ihren absoluten Höhepunkt erreichte.

Der barocke Karossier

Heute weitgehend vergessen, brachte diese Zeitepoche nicht nur ein erstklassiges Reitpferd hervor, sondern kreierte ein Pferd, das ebenso wichtig war und zum Mittelpunkt des höfischen Lebens avancierte – den Karossier.
Dabei zählte „Fahren“ zu den neuesten Errungenschaften. Im gesamten Mittelalter und noch lange danach ließ der Zustand der Straßen nicht einmal den Gedanken aufkommen, Waren und Menschen über weitere Strecken zu transportieren. Im Nahverkehr wurden Güter meist auf zweirädrigen von Ochsen gezogenen Karren zu den Flüssen transportiert – den damaligen Hauptverkehrswegen. Im Gassengewirr der Städte wurden Maultiere eingesetzt und im Gebirge blieb der Saumpferdehandel bis ins 19. Jahrhundert hinein die einzige Alternative. Auch für den Adel war es gänzlich unvorstellbar, sich nicht hoch zu Ross der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dies änderte sich langsam mit der Einführung eines festen Strassenbelags in den Städten. Und als letztendlich Ludwig XIV – der Sonnenkönig Frankreichs – die Karosse in sein Hofzeremoniell aufnahm, gab es an allen Fürsten- und Königshöfen kein Halten mehr. Ganz Europa versuchte sich im Wagenbau zu überbieten. Das Ergebnis waren große, prachtvoll verzierte und schwere Karossen, häufig von unvorstellbar hohem monetärem Wert. Um sie zu ziehen, bedurfte es eines besonderen Pferdes und nirgends war die Qualität der Fahrpferde besser als in Italien. In unserem südlichen Nachbarland hatte man mit dem Neapolitaner ein Pferd gezüchtet, das höchsten Ansprüchen genügte. Die Rappen und Mohrenköpfe, stark genug um die bis zu 4 Tonnen schweren Karossen zu ziehen, begeisterten mit ihrer Eleganz, imposanter Knieaktion und hochaufgerichteten Hälsen, Ramsköpfen mit ausdrucksstarken großen Augen und wallendem Langhaar jeden Betrachter.

Ein Fahrpferd hatte somit höchsten funktionellen und ästhetischen Ansprüchen zu genügen. Um nicht von den Gold und Silber verzierten Geschirren abzulenken und völlig idente 6er Passergespanne zu erzielen, waren in der Zucht Abzeichen jeder Art unerwünscht. Der „Capo Moro“, der metallisch schimmernde Blauschimmel mit schwarzen Kopf und Extremitäten, war genauso wie sein Bruder, der Glanzrappe ohne Zeichen, der Prototyp des idealen barocken Karossiers.

Die erzbischöflichen Gestüte und die Landeszucht

Das Erzbistum Salzburg, zu dessen Herrschaftsgebiet auch Teile Kärntens, Tirols und Bayerns gehörten, hatte es sich zur Aufgabe gemacht Pferde zu züchten, die seinem Reichtum und seiner Macht ebenbürtig waren. Auf Basis Spanischer und Neapolitanischer Pferde beherbergten die erzbischöflichen Gestüte Rif, Nonntal und Weitwörth an die 500 Pferde, womit aber der Bedarf des Hofstaats bei weitem nicht gedeckt war. Die Lösung dieses Problems lag vor der Haustüre, denn die Bauern – seit jeher Säumer und Pferdezüchter – verfügten über die entsprechende Grundlage, um die erzbischöfliche Zucht auszuweiten.

Laufend wurden die wertvollen Neapolitanischen und Spanischen Hengste als Landesbeschäler auf Station geschickt – mit überragendem Erfolg für beide Seiten. Bereits 1664 rühmte der vielgereiste Hippologe Christoph Pinter von der Au die Erfolge dieser Maßnahmen in der Landespferdezucht. Die Zuchtprodukte waren so begehrt, dass eine Reihe von Maßnahmen ergriffen werden mussten, um den Abverkauf der wertvollsten Zuchttiere zu verhindern – wie die Einführung von Pferdepässen und eines Ausfuhrverbots. Weithin bekannt ist der Bescheid von Erzbischof Johannes Ernst Graf Thun aus dem Jahr 1688, wonach nur mehr „Hofstallonen“, das heißt Neapolitanische und Spanische Hengste in der Landeszucht verwendet werden durften. Diese Maßnahme wirkte einschneidend und prägend, denn mit den Beschälern kam auch das langerprobte Wissen der Salzburger Gestütsmeister in die einzelnen Pfleggerichte.

Die Grundsätze der Farbzucht – Lebendiges Erbe.

Während wir heute gerade dabei sind, die Vererbung einzelner Fellfarben zu entschlüsseln, hatten die Salzburger Gestütsmeister einzelne Grundsätze schon in der Praxis angewandt und derart perfektioniert, dass das Rifer Gestüt zu einem europäischen Zentrum der Farbzucht wurde.

Ausgangspunkt für den Mohrenkopf, der wortwörtlichen Übersetzung des ital. „capo moro“ ist der Blau- oder Eisenschimmel.


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Das Deckregister des Gestüts 
Rif aus den Jahren 1776-1786 
(Salzburger Landesarchiv).Herrn A. Kallner, vlg. Rohrmoser in Goldegg.
 (Archiv Thomas Druml)
Das Deckregister des Gestüts Rif aus den Jahren 1776-1786 (Salzburger Landesarchiv).Herrn A. Kallner, vlg. Rohrmoser in Goldegg. (Archiv Thomas Druml)
Während bei den anderen Farben der Grundsatz „Gleich auf Gleich“ galt, sind die Verhältnisse beim Mohrenkopf etwas komplizierter: Denn ihre schönste Ausprägung ist nur durch immer wiederkehrende Auffrischung des Blau- und Eisenschimmels mit einem Glanzrappen (!) zu erzielen. Aus diesem Grund wurden die berühmtesten Mohrenkopfstämme der Erzbischöfe wie Diligente, Barbarossa, Morello und Neapolitano zwischendurch immer wieder an Rappstuten angepaart.

Wie wir heute wissen, fallen aus der Anpaarung Mohrenkopf * Rappe jeweils 50% Blauschimmel oder Mohrenköpfe und 50% Rappen. Diese Strategie über Jahrhunderte angewandt, bot überragende züchterische Vorteile, die über das gegenwärtige System der Linienzucht hinausgehen. Innerhalb einer Farbvariante entstanden sowohl auf der Stuten- und Hengstseite stark konsolidierte Zuchttiere, die mit hoher Vererbungssicherheit die gewünschte Nachzucht lieferten, ein Phänomen, das heute noch sehr gut bei den Füchsen beobachtet werden kann.

Neben der Vererbungssicherheit war es mit dieser Strategie möglich, innerhalb einer kleinen Population hochqualitative Pferde für die unterschiedlichsten Verwendungszwecke zu züchten und dies bei gleichzeitiger Kontrolle der Verwandtschaftsverhältnisse. So wurde z. B. aus dem Tiger ein Pferd, das den höchsten Ansprüchen der hohen Schule genügte – von mittlerer Statur mit leichterem Kaliber und lebhaftem Temperament. Aus den Mohrenköpfen und Rappen zog man langlinige, hochaufgerichtete, hochtretende und mit üppigem Langhaar ausgestattete Fahrpferde mit guter und ausdauernder Trabbewegung.

Von welcher Qualität diese Pferde waren, beweist der letzte Höhepunkt des Gestüts Rif. 1805 kam Salzburg unter die Herrschaft der Habsburger und das Gestüt wurde zum Hofgestüt ernannt. Als 1809 die Armee Napoleons nochmals heranrückte, wurde das Gestüt aufgelöst. Die besten Pferde wurden ins Hofgestüt Kladrub überstellt, darunter auch einer der Begründer der Rappfarbenen Kladruber, der Hengst Sacramoso. Die restlichen Pferde und Jungpferde wurden an die umliegenden Pferdezüchter abverkauft. Während in ganz Europa der Neapolitaner und mit ihm der barocke Karossier vom Erdboden verschwand, blieben die Salzburger, Kärntner und Tiroler Pferdezüchter strikt den barocken Grundsätzen treu und erhielten damit ein einzigartiges Erbe von unermesslichem Wert.

Wie stark der barocke Einfluss in der Norikerzucht noch ist, bemerkt man an den alltäglichsten Handlungen. Noch immer wird die Mähne eines Noriker-fohlens geschnitten um ein dichtes und kräftiges Langhaar zu erzielen, eine Praxis die nur noch bei den Spaniern zu beobachten ist. Lange Mähne und lange Schweife sind selbst nach 300 Jahren noch ein Muss und wie im Barock dürfen Pferde in Salzburg und Oberösterreich bei kirchlichen Umzügen genauso wenig fehlen, wie das „Aufschwanzen“ der Pferde beim Gailtaler Kufenstechen – einer Abwandlung des barocken Quintana Stechens.
Der Typenwandel beim Noriker

Ernsthaft bedroht wurde die Vielseitigkeit des Norikers in Verwendung und Farbe in den 1920er Jahren. Die staatlichen Körkommissionen, angelehnt am deutschen und französischem Modell des schweren Kaltblutpferdes des Flachlandes, setzten sich stark für eine Umzüchtung des Norikers ein. Damit brachten sie besonders zwei Farbschläge in Bedrängnis: den Tiger und den Mohrenkopf. Der Vorwurf, dass Tiger für das neue Zuchtziel zu klein wären, konnte den Mohrenköpfen nicht gemacht werden. Mohrenköpfe zählten immer zu den großen Norikern, aber aufgrund ihrer geringeren Brusttiefe und des schwächeren Rohrbeines waren sie den Körkommissionen zu leicht. Aus diesem Grund wurden Mohrenköpfe des alten Karossiertyps mit den neuen, modernen Zuchtprodukten, den schwersten Exemplaren der damals noch jungen Vulkan Linie, angepaart. Das Resultat war ein Aufspalten der Nachkommen in Braun-, Blau- und Rotschimmel sowie ein starker Kaliberzuwachs bei den Nachkommenschaften. Der barocke Karossiertyp wurde durch diese Maßnahmen kurzfristig zurückgedrängt. Viele der alten Capo Moro Stämme fielen dieser Umzüchtung zum Opfer, wie die Neapolitano, Bacchus oder die Altenberger Linie. Aufgrund des einfachen dominanten Vererbungsmusters konnte die extreme Stichelhaarigkeit, wie diese Schimmelvariante auch bezeichnet wird, auf alle anderen Linien übertragen werden, in denen sich aber langfristig keine Mohrenkopf Zweige etablieren konnten. Der dadurch verursachte Genverlust war beträchtlich und übertraf den aller anderen Farbvarianten. Letztendlich wurden nur wenige Zuchttiere zum Erhalter der „Capo Moro“ Zucht. Träger der Mohrenkopffarbe wurde zuerst die Vulkan Linie über die Mohrenkopfhengste 1176 Gothe Vulkan VI-12, geb. 1930, 1177 Cyrus Vulkan VI-13, geb. 1930, 1563 Saul Vulkan VI, geb. 1935, 1502 Anselmi Vulkan VI/1228, geb. 1934 und 1460 Gasthofer Vulkan VI/991, geb. 1934. Über die Stutenseite kam die Mohrenkopffarbe in die Diamant Linie, und die Hengste Hinz Diamant VI, geb. 1943 und sein Sohn Ziernig Diamant VIII, geb. 1948, setzten das bedeutende Erbe fort.

Mohrenkopfzucht heute

Der erste bis heute erhaltene Mohrenkopfzweig konnte erst in den 1960er Jahren über Muff Diamant, mütterlicherseits auf Ziernig Diamant zurückgehend, etabliert werden. Sein Sohn Mosser Diamant XI, geb. 1974, wurde zum wichtigsten Zuchttier für diesen Farbzweig in der Noriker Zucht. Er hinterließ 35 eingetragene Zuchtstuten und 4 gekörte Hengste. Dieser äußerst typvolle Hengst aus der Mohrenkopfstute Aline-Jutta nach Mohr Schaunitz XI, Mk., geb. 1959, vereinte in seinem Pedigree die wichtigsten Mohrenkopfzweige der 1930er Jahre. Derzeit stehen drei Hengste dieses Zweiges im Deckeinsatz.

Eine breitere Basis konnte erst mit dem Mohrenkopf Hengst Stemmer Vulkan XV, geb. 1989, aufgebaut werden. Er entstammte einer Anpaarung des Rapphengstes Stubach Vulkan XIV, geb. 1978, an die Mohrenkopfstute Ziegler-Wallis. Ziegler-Wallis führte eine reine Mohrenkopfabstammung, die väterlicherseits auf Wall Vulkan XIII – Apollo Vulkan XII und mütterlicherseits auf Mosser Diamant XI und Apollo Vulkan XII zurückgeht. Aus diesem Zweig stehen derzeit vier Mohrenkopf Hengste im
Deckeinsatz.
Der Mohrenkopfzweig nach Muff – Mosser Diamant.
Der Mohrenkopfzweig nach Muff – Mosser Diamant.
Der Mohrenkopfzweig nach Stemmer Vulkan.
Der Mohrenkopfzweig nach Stemmer Vulkan.
Die kleineren, jungen Mohrenkopfzweige nach Marco Nero und Radner Vulkan.
Die kleineren, jungen Mohrenkopfzweige nach Marco Nero und Radner Vulkan.
2001 wurde mit Marco Nero XIV ein Hengst gekört, der bereits wertvolle Impulse für die Mohrenkopfzucht setzte und von dem in Zukunft hoffentlich noch einiges zu erwarten sein wird. Sein Vater, der Rapphengst Molt Nero XIII, vereinte viele Merkmale des Neapolitaners in sich. Er und seine Nachkommen bestachen durch trockene und ausdrucksstarke, lange Köpfe mit klassisch geschwungenem Nasenprofil, großen und intelligenten Augen, langen und schön getragenen Hälsen. Auch das typischste Merkmal jeder Barockzucht – wallendes und dichtes Langhaar – machten diese Pferde zum Blickfang bei allen Veranstaltungen.

Die züchterische Problematik

Wie kurz dargestellt, hatten es Mohrenkopfzüchter in der Vergangenheit nicht leicht, und sie stehen auch in der Zukunft vor neuen Herausforderungen, denn das immerwährende Brechen der Linien zusammen mit der kleinen Population erfordert große Fachkenntnis, um passende Anpaarungen zu finden. Hochqualitative Mohrenkopfzucht setzt somit eine genaue Kenntnis der Vorfahren der Zuchtstute voraus, denn bislang waren die Stuten der durchgängige Träger dieses Farbschlags.

Als wäre das nicht schon schwierig genug, sind zu einer qualitativen Mohrenkopfzucht auch entsprechende Rappen notwendig.

Genetisch unterscheidet man hier zwei Arten, wobei der Glanzrappe den charakteristischen Blauschimmer hervorbringt, während Rappen, Kohlrappen und Sommerrappen zu einem stumpfen Eisengrau führen. Zur Zeit werden die Glanzrappen beim Noriker immer seltener. Damit wird ein Themenkreis berührt, der weit über den Mohrenkopf hinausführt und die gesamte Norikerzucht betrifft. Zum zweiten Mal – nach den Verirrungen der 1920er Jahre – bricht man heute die 500-jährigen Zuchtgrundsätze in großem Stil, indem man nicht mehr konsequent innerhalb der Farben anpaart – dies mit gravierenden Folgen für die Zukunft. Rapphengste mit einem farbreinen Papier sind fast nicht mehr zu finden. Dafür wird die Anzahl von Hengsten mit Füchsen im Pedigree immer häufiger.

Das Resultat ist das sich häufende Herausspalten von Fuchsfohlen aus reinen Rapp Anpaarungen. Darüber hinaus ist die Fuchsfarbe die einzige Grundfarbe des Norikers bei der größere Bein- und Kopfabzeichen traditionell akzeptiert sind. Abzeichen haben aber die unangenehme Eigenschaft sich dominant zu vererben und rasch auszubreiten. Gegenwärtig ist die Anzahl von Rappen mit Blessen und Stiefeln im Steigen begriffen, wodurch die bereits kleine Auswahl an geeigneten Zuchttieren für den Mohrenkopfzüchter noch geringer wird. Noch gravierender sind die Auswirkungen auf den Typ.

Ausblick

Bislang hatte die konsequente Farbzucht, sowohl in der Stutenfamilie als auch in den Hengstzweigen, konsolidierte Zuchttiere hervorgebracht, die derzeitige Entwicklung zeigt die umgekehrte Tendenz. Grundsätzlich kann für den Mohrenkopfzüchter folgendes zusammengefasst werden: Durchgezüchtete Rappstämme ohne Abzeichen bilden die Basis für diese Variante Farbzucht. Aber auch in der relativ engen Mohrenkopfpopulation ist eine weitere Gliederung der Hengstlinien notwendig. Denn die drei bestehenden Linien nach Mosser Diamant, Stemmer Vulkan und Marco Nero wurden bislang genealogisch nur über einen einzelnen Hengst weitergeführt. Eine Strukturierung in mehrere Zweige wäre hier von hohem züchterischen Wert.
Zahlreiche österreichische Züchter haben sich mit Leib und Seele der Mohrenkopfzucht verschrieben. Manche bereits seit Generationen, andere wurden von der Faszination dieser Farbe erst später infiziert. Aber eines haben sie alle gemeinsam: „Das Bestreben diesen Farbschlag zu pflegen und zu erhalten.
Die barocken Wurzeln des Mohrenkopfes lassen sich nicht verleugnen. Eleganz und Adel gepaart mit Gelassenheit und Charakterstärke zeichnen ihn aus.
„Am Kollerhof gab es schon immer Mohrenköpfe. Das hat sozusagen Tradition bei uns. Ich selbst habe mir vor 12 Jahren das erste Mohrenkopffohlen angeschafft und mit der Zucht begonnen. Mittlerweile habe ich unser Zuchtpotential mit fünf Mutterstuten auf eine solide Basis gestellt.“ 
(Hannes Pichler, Kollerhof Kärnten)


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